Andere Blicke

21Jan08
Nachdem Arbeit und Sozialstress mich auf Trab gehalten haben, endlich mal wieder ein Eintrag. So, 3 Kinderkrippen sind schon besichtigt. The Dad bei zweien dabei gewesen und eine interessante Erfahrung gemacht, nämlich die unglaubliche Wandlung der Wahrnehmung in der Vaterschaft. Man achtet auf die seltsamsten Sachen in dieser neuen Situation. Hat man erst mal nach einem netten Rundgang auf den kleinen Stühlchen Platz genommen, beginnt der ernste Teil des Besuchs. Bevor man sich auf die in Heidelberg allseits bekannte Warteliste eintragen lässt, steht ein Gespräch mit dem CEO der Krippe an. Ernste Themen: Tagesablauf, Routinen, Erziehungskonzepte, habe die Kleinen genug Auslauf? Mir wird klar, dass auch Kinder Business sind und zu Business gehören Verträge. So einer liegt jetzt vor mir und die CEO, Anja, Ruth und Rusanna (unsere werten ebenfalls schwangeren Kollegen) gehen Seite für Seite durch. Auf Seite 5: Einverständniserklärung zur Fotografie des Kleinkindes. Was man heute alles beachten muss als Betreiber einer Krippe. Der Vertrag, der jetzt vor mir liegt intressiert mich erst mal gar nicht, weil der Blick des Dads anfängt zu erkunden. Und ich bin von mir selber überrascht. Aus Pimpfperspektive gleitet der Blick durch den Raum.
Zuerst fällt er auf die kleinen Bildchen an der Wand, wo die Racker/innen mit Namen vorgestellt werden. Man versichert sich, dass möglichst keine Stefane, Mandys, Sandys oder Jochens auftauchen, sondern Alnaturagerechte Ophelias, Maxen, Jakobs oder Gustavs da hängen (nein, mir ist es egal ob es ein Junge wird..). Der nächste Blick geht aus dem Fenster. Oh je, da ist eine zweispurige Strasse. Nicht gut. Können 2 Erzieherinnen dafür sorgen, dass ein 1-3 jähriger nicht einen eifrigen Spurt dorthin legt? Oder die Treppe. Aus dunklem Metall. Verletzungsgefahr an den Kanten exponentiell. Auch nicht gut. Und überhaupt, gibt es hier einen Garten für Auslauf? Dann schweift mein Blick auf Einrichtung, Wanddekoration, Spielzeug. Puristisch oder vollgestopft. Heimelig oder kühl. Holz oder Plastik. Ich stehe ja auf heimelig, leicht verkramt, aber eben bewohnt. Aber dann ist das vielleicht auch zu viel visuelle Ablenkung für die ohnehin überforderten Kindersinne, sagt die Kinderkrippen-CEO. Ein Hoffnungsschimmer. Biomüsli auf der Küchenzeile, aber O-Saft vom Aldi. Oh je. Ich bin verwirrt. Die Spannung steigt. Preisliste liegt bei. Ach herrje, über 700€ für die 5-Tage-8h-Option, Essen exklusive, Windeln und Getränke bitte mitbringen. Willkommen in Heidelberg.
Nach drei Besichtigungen sind wir zuversichtlich, dass Deutschland auf dem richtigen weg ist, bei der Zukunft der Kleinkinderbetreuung avantgardistische Wege zu beschreiten. Avantgardistisch sind selbstverständlich vor allem die Kosten. Dann lieber bilingual für 500€.
Rückblick: Sonntag abend. Noch ein anderer Blick als ich den Tag Revue passieren lasse. Im Mannheimer Zephyr tolle Ausstellung gesehen. Spurensuche-Polizeifotografie Mannheim 1946-1971 (http://www.zephyr-mannheim.de). Tolle Ausstellung, in der anscheinend objektive Fotografie zu Zeitgeschichte wird. Besonders sehenswert: die Dokumentation Mannheimer „Elendsquartiere“ nach dem 2.Weltkrieg. Nach ausführlichem Kaffeetrinken im StarCoffee hat das japanische Messer wieder wertvolle Dienste erwiesen. Ein letzter anderer Blick, mein blutender linker Zeigefinger, der beim Paprikaschneiden im Weg war. Die Lasagne hat hervorragend gemundet. Merken: beim nächsten Mal den Spinat ein mal mehr waschen, sehr..körnig. The Dad.
Spinatlasagne
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